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Der Verein

Wir haben lange überlegt, wie man unseren Verein hier vorstellen kann. Letztlich sind wir zu dem Schluss gekommen, dass uns der Bericht zum 20-jährigen Bestehen, der in der Fan-Post Ausgabe 22 veröffentlich wurde, recht treffend beschreibt.

Von blau-weißen Zebrastreifen, Begeisterung und großen Enttäuschungen!

Schalke-Fan-Club Müsse feiert sein 20-jähriges Bestehen

Mit Schalke-Fans ist es so, dass man ihnen eine gewisse Leidensfähigkeit nachsagt. Oder anders herum ausgedrückt, die Anhänger der Königsblauen stehen auch in solchen Zeiten zu ihrem Verein, die als schwierige Phase zu bezeichnen sind. Nämlich jene Phasen, in denen die eigenen Stürmer-Tore doch eher zur Rarität werden und der Gegner die eigene „Bude“ in eine Schießbude verwandelt. Der Fußball-Fan zeichnet sich dadurch aus, dass er auch bei Negativerfolgen eisern zu seinem Club steht und nicht dadurch, einem Verein zuzuwinken, der ohnehin immer und immer wieder von der Tabellenspitze lächelt.

Und so ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass der Schalke-Fan-Club 1982 Müsse in einem Jahr gegründet wurde, in dem der FC Schalke 04 nicht zur Elite des deutschen Fußballs gehörte, nämlich nach dem ersten Abstieg in der grauen 2. Liga um Meisterschaftspunkte kickte - auch wenn man natürlich hinzufügen muss, dass die Gelsenkirchener für die Farbtupfer in dieser tristen Klasse sorgten und am Ende dieser Spielzeit den Aufstieg unter Dach und Fach brachten. Doch es sollten noch zwei weitere bittere Abstiege folgen, der Lizenzentzug drohte und Ende der 80er Jahre wurde der Abstieg in die Oberliga im letzten Moment verhindert.

„Wenn man zurückblickt, muss man ganz ehrlich feststellen, dass der Schalke-Fan bei allen Erfolgen in der jüngsten Vergangenheit vor allem sehr viele Misserfolge mitgemacht hat. Da war es nicht immer ganz einfach, montags zur Arbeit zu gehen und den Spott der Arbeitskollegen über sich ergehen zu lassen“, sagt Heinz-Jürgen Döpp. Die Fan-Post-Redaktion holte das Gründungsmitglied und natürlich den Gründungsvorsitzenden Burkhard Köck an einen Tisch, um einmal nachzufragen, wie das genau war mit der Fan-Club Gründung vor zwei Jahrzehnten. Denn aus dem aktuellen Vorstand war eigentlich niemand dabei, der die Geschehnisse im Sommer 1982 hautnah miterlebte.

So ganz neu sei das mit dem Schalke-Fieber in Müsse, Aue und Wingeshausen nicht gewesen, erinnerte sich Burkhard Köck, Fahrten zu Heimspielen im Gelsenkirchener Parkstadion habe man schließlich schon von 1976 bis 1981 organisiert, „und da saßen immer zwischen 30 und 50 Leute im Bus, natürlich abhängig davon wie der Gegner hieß“. Und samstags nachmittags gehörte die gemeinsame Rundfunkkonferenz auf dem berühmt-berüchtigten Hügel - an Herrn Kirch und seine umfassende TV-Berichterstattung war seinerzeit noch nicht ansatzweise zu denken - zum absoluten Pflichtprogramm. Nicht nur für Schalke-Fans, sondern auch für Anhänger anderer Vereine (so etwas soll es ja geben). Doch warum dann letztlich doch einen Fan-Club gründen? „Ich glaube, weil wir allesamt der Meinung waren, dass man den Verein in schwierigen Zeiten nicht allein lasssn darf“, so Heinz-Jürgen Döpp. Und dann war da noch jener Burkhard Köck, der „Zugelaufene“ aus Gelsenkirchen, ein Schalke-Verrückter im positiven Sinn, der sich für das Unternehmen Schalke-Fan-Club stark machte.

Nach mehreren Vorbesprechungen war es am 17. Juli 1982 endlich soweit: 18 Gründungsmitglieder hoben im Vereinslokal Latt den Schalke-Fan-Club 1982 Müsse aus der Taufe, den ersten im Altkreis Wittgenstein übrigens. Mittlerweile sind es bereits fünf an der Zahl. Eine ähnliche Entwicklung hat der Fan-Club Müsse genommen, denn heute kratzt die Mitgliederstärke bereits an der 200er-Marke. Am Abend der Gründungsversammlung kamen immerhin 88,04 DM in die Kasse - ein Betrag, der niemals unterschritten werden sollte, die eiserne Reserve sozusagen. Im besagten Sommer 1982 hatte man gleich Grund zur Freude, mit einem 3:3 gegen die SpVg Fürth brachte der S 04 die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga unter Dach und Fach. Es war jenes Spiel, dass auch den heutigen „Präsi“ Thomas Fischer zum Schalke-Fan machte, nachdem er zuvor - dies wird zumindest gerüchteweise berichtet - für einen nicht besonders beliebten Club in Nord-Österreich die Daumen drückte.

Es waren natürlich viele Ereignisse, die in 20 Jahren Fan-Club haften geblieben sind, witzige Geschichten, bittere Momente und herrliche Anekdoten. Die alle aufzuführen, würde den Rahmen dieser Jubiläums-Fan-Post sicherlich sprengen, doch einige herrliche Momente aus zwei Jahrzehnten Vereinsgeschichte sollen hier natürlich nicht vorenthalten werden.

Noch einmal zurück zum 3:3 gegen Fürth und der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga: In diesem Jahr entstand in Müsse erstmals der geliebte blau-weiße Zebrastreifen, von Maler Burkhard Köck überaus korrekt und mit viel Liebe zum Detail auf die Straße gezaubert. Das war sogar der Wittgensteiner Lokalpresse einen Bericht wert und die Polizei - so erinnerten sich jetzt die Beteiligten - sei um das Kunstwerk drum herum gefahren. Doch offenbar stieß der Zebrastreifen nicht bei allen Mitbürgern auf Gegenliebe, denn in einer Nacht- und Nebelaktion wurde das blau-weiße Kunstwerk mit schmierigem Öl übertüncht. „Das war natürlich ein Schock, doch es hat uns natürlich nicht davon abgehalten, noch am selben Tag wieder mit blau-weißer Farbe nachzulegen“, erinnerte sich Burkhard Köck. Übrigens, bis zum heutigen Tag wurde das Geheimnis nicht gelüftet, wer sich als „Ölprinz“ versuchte. Den ein oder anderen Verdacht gab es zwar, doch beweisen konnte man niemandem etwas.

Dann war da noch die Fahrt im Juni 1989: Schalke 04 stand schon mit einem Bein in der 3. Liga, doch der damalige Trainer Peter Neururer hauchte dem angeschlagenen Team neues Leben ein. Letzter Spieltag: Heimspiel gegen Blau-Weiß 90 Berlin, 66 000 Zuschauer im Gelsenkirchener Parkstadion. Königsblau siegte nach 0:1-Rückstand am Ende noch mit 4:1, der Klassenerhalt war geschafft. Was ein der Redaktion bekanntes Mitglied des Fan-Clubs Müsse offenbar derart aus der Fassung brachte, dass der Sportkamerad es vorzug, nicht mit dem Bus in Richtung Wittgenstein zurückzufahren, sondern mit der Schalker Fangemeinde in Gelsenkirchen zu feiern. Doch wie soll man abends von Gelsenkirchen nach Aue kommen, wenn öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr fahren? Mit dem Taxi! Die Rechnung soll 300 DM betragen haben. Interessante Notiz am Rande: Zwischen Birkelbach und Aue soll noch ein weiterer Schalke-Fan, böse angeschlagen nach dem Birkelbacher Schützenfest, in das Taxi gestiegen sein, um nach Hause gefahren zu werden. Ob der Taxifahrer jemals wieder im Ruhrgebiet angekommen ist, wurde leider nicht überliefert.

„Dass bei der einen oder anderen Fahrt Leute im Riss gelassen wurden, das kam natürlich immer mal wieder vor. Aber letztlich sind sie alle immer wieder aufgetaucht“, so Burkhard Köck. So wie jener Schalke-Fan, den der Vorstand nach einer Fahrt zu einem Heimspiel des FC Schalke bereits verloren glaubte, der dann aber urplötzlich an einer Raststätte wieder auftauchte und in den Bus nach Aue einstieg. Er war zuvor in einen anderen Bus eingestiegen und der Zufall wollte es, dass an gleicher Stelle eine Rast eingelegt wurde.

Auch eine Begebenheit aus der jüngeren Vereinsgeschichte sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Nach der Fahrt zu einem Heimspiel der Königsblauen glaubte der Vorstand den Fleischwurstbehälter der Erndtebrücker Metzgerei verloren, doch es sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass ein emsiges Vorstandsmitglied den Behälter höchspersönlich an den vereinbarten Standort getragen hatte. Pech nur, dass sich daran aus den Reihen des Vorstandes niemand mehr so recht erinnern konnte - das muss wohl am so genannten Siegesrausch gelegen haben. Ein aufmerksamer Zeitgenosse, der die Aktion zufällig beobachtet hatte, wusste das Ganze aufzuklären.

Von Höhepunkten und unvergessenen Momenten sollten Heinz-Jürgen Döpp und Burkhard Köck berichten, was war besonders positiv oder negativ in den zwei Jahrzehnten Fan-Club? Eine Frage, die man so einfach natürlich nicht beantworten kann. Denn eines ist klar, jedes Mitglied des Fan-Clubs hat Siege und Niederlagen sicherlich ganz anders erlebt, für jeden sind andere Momente haften geblieben. Unvergesslich sicherlich das 6:6 im Halbfinale des DFB-Pokals zwischen Schalke 04 und Bayern München, als der Stern des Olaf Thon beim damaligen Zweitligisten aufging. Andere wiederum waren bei den UEFA-Pokal-Endspielen gegen Inter Mailand im Jahr 1997 dabei - der erste internationale und damals völlig überraschende Erfolg der Königsblauen. Und wiederum andere feierten bereits den Deutschen Meistertitel 2001 im Gelsenkirchener Parkstadion - und wurden am Ende doch so bitter enttäuscht. Stichwort Enttäuschung: „Die Abstiege, die waren allesamt grausam, absolute Tiefpunkte“, erinnert sich Heinz-Jürgen Döpp.

Doch vielleicht waren es jene Momente, die die Fan-Club-Gemeinschaft noch enger zusammen geschweißt und mit dazu beigetragen haben, dass der Fan-Club nach wie vor sehr lebendig ist. Kartoffelbratfeste, Weihnachtsfeiern, Fußball-Turniere, die eigene Fußball-Mannschaft, Fan-Club-Treffen, Darttuniere - all dies hat zu einer enormen Akzeptanz in Aue, Wingeshausen und Müsse beitragen. „Wenn man ganz ehrlich ist, dann wurden wir anfangs doch eher belächelt“, erzählt Burkhard Köck. 1985, anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Schieß- und Schützenvereins Müsse, hatte der Fan-Club Müsse seinen ersten öffentlichen Auftritt und ist seither aus dem öffentlichen Leben der Ortschaften nicht mehr wegzudenken. Unvergessener Höhepunkt: die Feier zum zehnjährigen Bestehen im Jahr 1982, als die Auer Bürgerhalle bis auf den letzten Platz ausverkauft war und bis in die frühen Morgenstunden hinein ausgiebig gefeiert wurde. An gleicher Stelle fand einige Jahre später ein kurzfristig organisiertes Regionaltreffen mit Schalke-Manager Rudi Assauer, „Mannschaftsbetreuer“ Charly Neumann sowie den damaligen S04-Profis Jens Lehmann und Thomas Linke statt - ein unvergessener Abend.

Uns so käme es nicht überraschend, wenn die 20 Jahre Fan-Club-Geschichte erst der Anfang einer langen Vereinsgeschichte wären. Deshalb soll am 25. Mai im Bürgerhaus ordentlich gefeiert werden, auch wenn das 20-jährige Bestehen natürlich kein klassisches Jubiläum ist. Das steht erst in fünf Jahren auf dem Programm, und dann soll eine Mega-Party steigen, so viel darf vielleicht jetzt schon verraten werden. Und vielleicht ist bis dahin auch das eingetreten, wovon alle Mitglieder des Schalke-Fan-Clubs Müsse träumen, die einen erst seit kurzem, andere vielleicht schon länger: einmal mit Schalke 04 Deutscher Meister zu werden. Doch bei allen Erfolgswünschen ist es natürlich so, um noch einmal zur Einleitung zurückzukommen, dass der Schalke-Fan-Club 1982 Müsse auch in schwierigen Zeiten zum FC Schalke 04 steht. Das sollte nie vergessen werden.